14.09.2010

Der Euro – eine Frage von Krieg und Frieden (Teil 1)

 

Liebe Leser,
die Aussage des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, dass der Euro eine Frage von Frieden und Krieg sei, enthält in diesem Zusammenhang mehr Wahrheitsgehalt als gemeinhin angenommen. Zwar wollte Kohl damit ausdrücken, dass der Euro den Frieden bringen werde, doch verhält es sich genau andersherum. Eine deutsche Großbank veröffentlichte beispielsweise eine interessante Werbung für den Euro: Über einem Bild aus dem zerbombten Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, das eine Familie in einer armseligen Bretterbude zeigte, stand: »Der Euro macht vieles leichter«. Wäre nicht im Text der Werbung die europäische Integration als Ursache für Frieden und Wohlstand genannt worden, hätte man dies – durchaus richtig – so interpretieren können, als ermögliche der Euro vor allem neue Kriege und neues Leid.

In die gleiche Richtung wie die verklärte Hoffnung Helmut Kohls ging die Aussage des ehemaligen Schweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger, als er Anfang 2001 an den Plänen der Schweizer Regierung zum EU-Beitritt festhielt und meinte: »Wenn man die Geschichte betrachtet, ist die Europäische Union ein gigantisches Friedensprojekt.«

Tatsächlich beinhaltet die Einheitswährung jedoch eine ganze Menge Konfliktpotenzial. Grund dafür sind sowohl die durch feste Wechselkurse hervorgerufenen Ungleichgewichte zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Ländern als auch die später einsetzende Kapitalflucht, unter der vor allem die schwächeren Staaten zu leiden haben. In der Folge bluten diese Länder regelrecht aus, und ihre Wirtschaft bricht zusammen, wodurch Massenarbeitslosigkeit entsteht.

Die dann nötigen Transferleistungen und massiven Wanderungsbewegungen werden auch die stärkeren Staaten, vor allem Deutschland, so weit belasten, dass die gewohnten Lebensbedingungen sich deutlich verschlechtern. Allein durch die geplante EU-Osterweiterung rechnete das ifo-Institut im Jahr 2001 mit einer Zuwanderung von insgesamt vier bis fünf Millionen Menschen nach Deutschland. Durch großzügige soziale Leistungen müssten bereits für jeden Zuwanderer 2.000 Euro pro Jahr mehr ausgegeben werden, als diese durch Steuern und Beiträge in das Staatssystem einzahlen würden.

Die weiteren Folgen werde ich Ihnen morgen an dieser Stelle erläutern.

Herzlichst Ihr

Günter Hannich