17.05.2010

Die besten Krisenpropheten (Teil 1)

 

Die Krise geht in die nächste Runde. Nun stehen viele Staaten mit dem Rücken zur Wand. Aber wie Sie sich noch erinnern, ging die aktuelle Krise mit dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes los. Auch wenn viele Experten im Nachhinein diese Krise als völlig überraschend dargestellt haben, so gab es doch einige wenige Krisenpropheten, die schon frühzeitig vor dem kommenden Zusammenbruch gewarnt haben.


Die besten drei Krisenpropheten



Nun haben die Leser der Fachzeitschrift „Real World Economics Review“ bei einer Abstimmung die besten drei Krisenpropheten gewählt. Heute und morgen möchte ich Ihnen die drei Experten und Ihre Arbeit etwas genauer vorstellen. Als Nummer eins wählten die immerhin mehr als 2.500 Teilnehmer der Umfrage den australischen Ökonomen Steve Keen.

Auf den weiteren Plätzen folgen dann Nouriel Roubini, auf den ich mich hier im Newsletter schon häufig bezogen habe, und Dean Baker. Die beiden letztgenannten werde ich Ihnen morgen genauer vorstellen, heute soll es zunächst um Steve Keen gehen.

Seine ersten Warnungen über Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten gehen bis ins Jahr 1995 zurück. Damals veröffentlichte Keen einen Artikel mit dem Titel „Finanzwesen und Wirtschaftskrise“.

Damals kritisierte er die von vielen anderen Ökonomen gefeierte Große Mäßigung und warnte davor, dass „dies nur eine vorübergehende Windstille vor dem großen Sturm sei.“ In den folgenden Jahren hielt sich Keen mit öffentlichen Warnungen zurück. Aber ab Ende 2005 warnte er die Öffentlichkeit. Laut Keen stünde der große  Sturm nun unmittelbar bevor.


Keen warnte vor Gefahren am US-Immobilienmarkt



Seine Warnungen bezogen sich vor allem auf die enorme Verschuldung der US-Haushalte und die Gefahren für den amerikanischen Immobilienmarkt. Als Forum für seine Analysen nutzte Keen zum einen die Webseite Debtwatch und zum anderen auch sein schon 2002 veröffentlichtes Buch „Die Entlarvung der Ökonomie“.

Darin bezog er sich sehr stark auf den Ökonomen Hyman Minsky, der den Kreditzyklus stark in den Mittelpunkt der Krisenanalyse gestellt hatte. Sie sehen, es hat ernsthafte wissenschaftlich fundierte Warnungen schon vor etlichen Jahren gegeben.

Warum Sie davon noch nie etwas gehört haben? Die Antwort ist ganz einfach: damals waren Keen und die anderen Mitstreiter einsame Rufer in der Wüste, auf die keiner gehört hat oder auch nicht hören wollte – denn das Geschäft lief doch einfach zu gut.

Morgen stelle ich noch Nouriel Roubini und Dean Baker näher vor. Vor allem Roubini ist mittlerweile auch durch zahlreiche Veröffentlichungen einem größeren Publikum bekannt. Erst vor einigen Tagen ist sein neues Buch in Deutschland erschienen. Auch dazu lesen Sie mehr in der morgigen Ausgabe.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich