28.09.2010

Goldwährung ist kein Ausweg (Teil 1)

 

Liebe Leser,

angesichts der aktuellen Instabilität auf dem Finanzmarkt erkennen immer mehr Menschen, dass mit unserem Geldsystem etwas nicht in Ordnung ist. Das stimmt ja auch tatsächlich. Nicht nur in den entwickelten Staaten der Welt wächst die Verschuldung viel schneller als die Wertschöpfung. In Deutschland zum Beispiel steigen die Verbindlichkeiten etwa dreimal schneller als das Bruttosozialprodukt. In den USA geschieht dies sogar vier- bis fünfmal schneller. Mit anderen Worten: Das herrschende Zins-Schuldsystem ist zum Bankrott verurteilt.

Leider zieht nicht jeder die richtigen Schlüsse daraus. Im Gegenteil: Neuerdings wird ernsthaft behauptet, dass die Probleme durch ein neues „Goldgeld“ gelöst werden könnten. Es stimmt schon, Gold ist immer etwas wert. Das zügellose Gelddrucken wäre mit einer Golddeckung unterbunden, da für jeden neuen Geldschein Gold beschafft werden müsste. Doch bereits einfache und logische Überlegungen zeigen, wie gefährlich eine Golddeckung ist. Ein Goldgeldsystem kann sich nämlich als noch viel instabiler erweisen als das heutige Schuld-Geldsystem. Das erscheint zunächst unlogisch. Betrachten wir darum zunächst gesicherte Fakten!

Goldgeld brachte immer Armut

Die Geschichte lehrt, dass Goldwährung und der Goldstandard keine Probleme lösen, sondern erst schaffen. Die Probleme beginnen damit, dass die meisten Länder überhaupt kein Gold besitzen und für die Einführung einer Goldwährung sich Gold von den wenigen großen Goldbesitzern der Welt zu deren Bedingungen und entsprechend hohen Zinsen leihen müssten.

Die bekannten Belastungen durch den Zins würden sich also noch weiter verstärken, weil das Gold zusätzlich finanziert werden müsste. Heute kann ein verarmter Staat wie zum Beispiel Bangladesch durch Papiergeld mit wenig Aufwand eigenes Geld schaffen, das den Warenaustausch im Land sicherstellt.

Was sollen diese Nationen machen, wenn sie Gold dafür benötigten? Die Folge wäre eine noch größere Verarmung auf der Welt. Nicht ohne Grund war die Massenarmut in Zeiten der Goldwährungen immer am größten. Es waren die Zeiten der Kinderarbeit, der 16-Stunden-Arbeitstage, der niedrigen Löhne und des Massenelends. Die Deutsche Bundesbank wies darauf hin, dass gerade die Phasen des Goldstandards im 19. Jahrhundert ständige Deflationen verursachten. So war beispielsweise das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts fast ganz deflationär, was mit dem Goldstandard und der fehlenden Geldanpassung an die gestiegene Bevölkerung und höhere Produktivität begründet wird.

Auf einige weitere Nachteile einer goldgedeckten Währung werde ich in den nächsten Folgen der Serie eingehen.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich