13.10.2010

Goldwährung ist kein Ausweg (Teil 4)

 

Liebe Leser,

heute schließe ich die Serie über das Goldgeld ab. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Goldwährung mehr Nachteile als Vorteile bringt.

Gegenüber ihren großen Nachteilen hätte eine Goldwährung höchstens zwei Vorteile: keine Inflation und - psychologisch bedingt– höheres Vertrauen in die Währung. Übersehen wird dabei jedoch, dass wir heute gar keine nennenswerte Inflation mehr haben und dass es noch keine Probleme mit dem Vertrauen in unsere heutige Papierwährung gibt. Selbst der ungeliebte Euro wird von Jedem akzeptiert. Mit der Goldwährung sollen also Probleme gelöst werden, die wir gar nicht haben.

Die Geschichte zeigt, dass eine Inflation noch nie das große Problem war. Selbst in der Hyperinflation 1923 in Deutschland hatte fast Jeder ausreichend zu essen und Arbeit. Demgegenüber gab es Hunger, Arbeitslosigkeit, Elend und schließlich Krieg bei der Deflation der 30er Jahre.
Durch eine Goldwährung dagegen würden massive Verwerfungen entstehen:

  • Deflation wahrscheinlicher als Inflation: Beim Anschein einer Krise (Beispiel: 11. September 2001) zieht sich das Goldgeld sofort vom Markt zurück, und die Wirtschaft gerät in eine sich selbst verstärkende Deflationsspirale.
  • Schwache Länder bluten aus, da sie kein Gold besitzen und das Kapital bei fehlendem Wechselkurspuffer immer von den schwachen in die starken Länder abwandert.
  • Zwischen unterschiedlichen Ländern bestehen keine Ausgleichsmechanismen, denn die Währungen sind über das Gold starr gekoppelt.
  • Die wenigen großen Goldbesitzer erlangen mehr Macht über das weltweite Geld: Eine Minderheit bestimmt über die Wirtschaft.


Die Vorliebe für ein Goldgeld resultiert aus einer völlig falsch verstandenen Funktion des Geldes. Viele Leute meinen, Geld selbst müsse einen Wert haben. Dabei übersehen sie jedoch, dass die „Deckung“ des Geldes bereits die Waren und Leistungen sind, die durch Geld nur besser tauschbar sind als direkt. Geld ist also nichts anderes als ein Vermittler, der den Erwerb von beliebigen Waren oder Dienstleistungen erleichtert. In Kurzform: Geld sollte ein Tauschmittel sein und selbst praktisch keinen Wert besitzen.

Die beiden weiteren Funktionen, die Geld erfüllen muss, nämlich Schatzmittel und Preisbestimmungsmittel zu sein, ergeben sich auch dann von allein. Zu unserem heutigen Geld ist festzustellen, dass es die Funktion als Tauschmittel nicht korrekt erfüllt, da es über längere Zeit dem allgemein sinkenden Wert von Gütern, Waren und Dienstleistungen nicht folgt.

Unmittelbar hieraus resultiert die zweite Störung: Unser Geld ist in seiner privaten Funktion völlig uneingeschränkt, was die öffentliche Funktion behindert. Um das zu verstehen, vergleiche man Bargeld mit einer Immobilie in Privatbesitz. Für diese muss Grundsteuer abgeführt werden, und bei baulichen Maßnahmen sind Bauvorschriften einzuhalten und Genehmigungen einzuholen. Dies mag den Besitzer stören, macht aber gesellschaftlich viel Sinn. Ähnlich wie eine Goldwährung ist auch der Euro ein Fehler – aber das ist ein anderes Thema.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich