04.11.2010

Immobilienblase und Euro (Teil 1)

 

Liebe Leser,

erinnern Sie sich noch? Richtig brisant wurde es in Europa, als sich in vielen Ländern Immobilienblasen entwickelten. Vor allem Spanien war hierbei führend. In den Jahren vor 2008 wurden in Spanien mehr Wohnungen gebaut als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen! Diese enormen Investitionen wurden zum Großteil durch Schwarzgeld finanziert, das nach Spanien floss. Bei der Euro-Einführung war Spanien mit 13 Millionen 500-Euro- Scheinen ausgestattet worden. In nur fünf Jahren hatte sich die Zahl – durch Zufluss aus dem restlichen Europa – fast verneunfacht.

Mehr als ein Viertel aller 500-Euro-Scheine hatten sich in Spanien angehäuft und machten dort 67 Prozent des gesamten Geldvolumens aus. Damit kam etwas in Gang, was eigentlich jeder Ökonom hätte wissen müssen: Es begann eine zunehmende Kapitalverschiebung in Europa. Als dann im Jahr 2008 die Immobilienkrise in Spanien einsetzte, verschwand das Kapital dort wieder, und es folgte eine Wirtschaftskrise.

Bei freien, nationalen Währungen hätten diese Unterschiede und Exzesse durch einen Wechselkurspuffer ausgeglichen und verhindert werden können. Kurz nach der Einführung des Euros kam es in der EU zunehmend zu Instabilitäten, was auch die Verantwortlichen zur Kenntnis nehmen mussten. Bereits ein halbes Jahr nach der Begründung des Euros als Buchgeldwährung lag den EU-Finanzministern laut der Londoner Tageszeitung The Times eine vertrauliche Studie vor, wonach das Euro-Projekt in ernsthafte Gefahr geriet. Es hieß, die steigenden Haushaltsdefizite könnten zu einer »tödlichen Bedrohung« für die Einheitswährung werden.

Schon vor der Euro-Einführung hatte der damalige Präsident der Schweizer Nationalbank, Hans Meyer, verkündet, dass für ihn der Euro eigentlich nicht relevant sei. Er wies richtigerweise darauf hin, dass die Länder in Europa mit der Fixierung ihrer Wechselkurse an Flexibilität einbüßen werden, was in erster Linie durch den Arbeitsmarkt kompensiert werden müsse.

Daraus erwüchsen keine wirtschaftlichen, sondern vielmehr gesellschaftliche Probleme, die ich in der nächsten Ausgabe näher beleuchten werde.

Herzlichst Ihr

Günter Hannich