05.11.2010

Immobilienblase und Euro (Teil 2)

 

Liebe Leser,

trotz der eindeutig zunehmenden Ungleichgewichte, behauptete der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg vehement, dass die Einführung des Euros die Stabilität der Finanzmärkte in Europa erhöht habe. Die Vorbereitungen auf die Währungsunion und ihre Einführung hätten einen festen Anker für Inflationserwartungen sowie die Verpflichtung der Euro-Länder auf Stabilität geliefert, und der Wegfall interner Währungsrisiken sowie die Schaffung eines stärker integrierten und liquideren Finanzmarkts trügen zur Stabilität der Märkte bei.

Tatsächlich ist es jedoch genau umgekehrt: Die gemeinsame Währung führt zu großen Instabilitäten, die nicht mehr durch Wechselkurspuffer ausgeglichen werden können. Und genau das zeigte sich im Jahr 2008, als die Bankenkrise die Länder im Euro-Verbund unterschiedlich traf. Selbst der renommierte belgische Ökonom Paul De Grauwe musste als Euro-Befürworter eingestehen, dass sich die Länder in Europa nach wie vor ungleich entwickeln: »Deutschland und Österreich haben stark zugelegt, Italien, Spanien und Griechenland haben sich verschlechtert.

Das schafft langfristige Probleme. Früher hätte ein Land wie Italien abgewertet, aber das geht nicht mehr. Jetzt muss es den schweren Weg gehen.« Da die Währungsabwertung nicht mehr möglich ist, können Staaten nurmehr die Löhne kürzen: »Wenn das jedoch der einzige Mechanismus bleibt, um Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen, dann hat die Eurozone ein großes Problem«, so De Grauwe weiter.

Ebenso wies er darauf hin, dass es eine Währungsunion nicht ohne politische Union geben kann: »Wenn Europa nicht an einer politischen Union arbeitet, dann ist der Euro gefährdet. Er wird nicht verschwinden, aber manche Staaten werden aussteigen. Man muss den Leuten klar sagen: Wenn ihr keine politische Union wollt, dann könnt ihr den Euro langfristig vergessen.«Davon jedoch war bei der Euro-Einführung nie die Rede gewesen. Es ist doch vielmehr so, dass eine solche politische Union zwangsläufig zu einem undemokratischen, von Brüssel aus regierten Zentralstaat führt, in dem die einzelnen Länder nur noch ausführende Organe sind.

Bei der Diskussion über eine Europäische Einheitswährung werden häufig der US-Dollar und die USA als großer Währungsraum angeführt, um die scheinbaren Vorteile zu demonstrieren. Tatsächlich sind jedoch gerade die USA ein gutes Beispiel dafür, dass eine Einheitswährung für unterschiedlich strukturierte Gebiete nur schlecht oder gar nicht funktionieren kann. Mehr dazu in der nächsten Woche.

Herzlichst Ihr

Günter Hannich